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Annehmen.

Nachhaltig produzierte Gläser:

Besuch bei Glasdesign Bern (Schweiz)

Datum: 23. Juli 2020
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Unser Nachhaltigkeitskonzept PLANBLUE bedeutet für uns, nicht nur für die Umwelt, sondern auch für die Gesellschaft Sorge zu tragen – im Großen wie im Kleinen. Um die Benützung von Pappbechern zu vermeiden, haben wir in der RONAL AG in Härkingen (Schweiz) schon vor Längerem PLANBLUE Kaffeetassen eingeführt. Nun wollten wir den Mitarbeitern auch entsprechende Gläser zur Verfügung stellen – aber natürlich nicht irgendwelche, auf denen nur PLANBLUE drauf steht.

PLANBLUE – unser Weg zu einem ganzheitlich nachhaltigem Unternehmen – sollte auch dahinter stehen. Auf der Suche nach einer nachhaltigen Produktionsstätte für Gläser hier in der Region stießen unsere Kolleginnen aus dem Umweltmanagement auf die kleine Manufaktur Glasdesign in Bern. Ende Juni holten wir mit dem firmeneigenen Plug-in-Hybrid-Auto im PLANBLUE Design (natürlich mit Solarstrom geladen) die 300 bestellten Gläser ab und sprachen vor Ort mit Betriebsleiter Daniel Egger, der uns auch die verschiedenen Arbeitsschritte bis hin zum fertigen PLANBLUE Glas zeigte.

Herr Egger, wann wurde der Betrieb gegründet?

Glasdesign wurde 1997 gegründet und war der erste Glas-Upcycling-Betrieb in der Schweiz. Die Idee zur Wiederverwendung und Verarbeitung von Wegwerfflaschen wurde von einem ähnlichen Projekt in Finnland übernommen.

Sie sind gelernter Möbelschreiner. Wie sind Sie zu Glasdesign gekommen und was fasziniert Sie am Glas-Upcycling?

Ich wollte 2003 ein Praktikum in einem Bereich machen, der Handwerk und Soziales verbindet. Mangels Praktikumsstellen in einer Holzwerkstatt wurde ich an einen Glas-Upcycling-Betrieb weiterverwiesen und erhielt nach dem Praktikumseinsatz eine Festanstellung als handwerklicher Mitarbeiter. Danach folgte die Ausbildung zum Arbeitsagogen bei Glasdesign, wo ich seit 2010 Betriebsleiter bin. Ich finde den Entstehungsprozess von der Flasche zum dekorierten Glasobjekt auch nach all den Jahren noch reizvoll.

Was gefällt Ihnen besonders am Konzept von Glasdesign? Wie viele Mitarbeiter haben Sie und wie sind diese zu Ihnen gekommen?

Glasdesign ist seit 2001 ein Projekt der Direktion für Bildung, Soziales und Sport der Stadt Bern, das Arbeitsplätze für Sozialhilfe beziehende Personen zur Verfügung stellt. Es werden ausschließlich Menschen angestellt, die seit längerer Zeit vom ersten Arbeitsmarkt ausgeschlossen sind. Momentan sind bei uns 30 Mitarbeiter im Alter von 25-60 Jahren mit unterschiedlicher Herkunft, Lebenssituation und Background beschäftigt. Das Besondere am Konzept von Glasdesign ist also, dass wir nicht nur zahlreiche Produkte herstellen, sondern Handwerk sowie die berufliche und soziale Integration von Langzeitarbeitslosen vereinen.

Was sind die Ziele des Projekts? Inwiefern helfen den Angestellten die erworbenen Fähigkeiten und sozialen Kompetenzen im weiteren Berufsleben?

Ein Arbeitsplatz bei Glasdesign bedeutet für Stellensuchende eine sinnvolle Beschäftigung mit Tagesstruktur und bietet ihnen die Möglichkeit, ihre fachlichen und sozialen Kompetenzen zu erweitern. Dank dieser Lern- und Arbeitsmöglichkeit verbessern sie ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Bei der beruflichen und/oder sozialen Integration werden sie durch eine Prozessbegleitung unterstützt.

Wie sieht ein typischer Arbeitsalltag bei Ihnen aus? Was sind die Aufgaben der Angestellten?

Am Morgen machen die Fachleitungen die Arbeitsverteilung. Danach gehen die Mitarbeiter an die jeweiligen Arbeitsstationen in unserer Produktion. Derzeit haben wir aufgrund der Distanzvorgaben die Gruppe in zwei unterteilt: Eine Gruppe am Morgen, die nächste am Nachmittag. Die Arbeiten bei uns sind nicht berufsspezifisch und der Produktionsablauf bietet viele Lernmöglichkeiten. Zu den Aufgaben gehören: Waschen, Schneiden, Schleifen, Polieren, Dekorieren, Sandstrahlen, Rüsten. Darüber hinaus gibt es die Bereiche Versand, Lagerhaltung und Transporte.

Was genau wird alles bei Glasdesign hergestellt und woher bekommen Sie das Material?

Unser Kerngeschäft ist die Entwicklung, Herstellung und der Verkauf von Upcycling-Produkten aus Altglas. Wir stellen viele Gegenstände für den alltäglichen Gebrauch her, z.B. Trinkgläser, Vasen, Schalen, Tischleuchten etc. Dabei können wir verschiedene Größen, Farben und Formen anbieten. Neben unseren Standardprodukten machen wir auch Spezialanfertigungen oder Einzelstücke auf Anfrage für Privatpersonen oder, wie jetzt beim RONAL GROUP Auftrag, für Firmen.

Die alten Flaschen erhalten wir von Restaurants, Bars und Getränkehändlern, aber auch von Privatpersonen. Damit wir nicht völlig verschiedenes „Ausgangsmaterial“ haben, ist es für uns wichtig, dass wir Altglas über einen längeren Zeitraum von denselben Lieferanten beziehen können.

Wen beliefern Sie mit Ihren Produkten?

Wir beliefern Wiederverkäufer und Privatkunden; außerdem verkaufen wir direkt in unserem Laden in Bern und über unseren Online-Shop. Zudem bieten wir Workshops an, in denen wir die Verarbeitung von Altglas vermitteln. Diese Events eignen sich für Vereine, Firmenabteilungen oder andere Gruppen.

Planen Sie für die Zukunft einen Ausbau, eine Erweiterung des Angebots und damit evtl. auch mehr Arbeitsplätze?

Von unserer Organisationsstruktur her liegt es nicht in unserer Hand, mehr Arbeitsplätze zu schaffen. Aber wir versuchen, uns ständig zu verbessern und unsere Arbeitsabläufe den Mitarbeitern bei uns anzupassen. Zudem möchten wir den Bereich der Kundenaufträge weiter ausbauen. Ich hoffe, dass wir auch in Zukunft unseren Doppelauftrag erfüllen und Menschen mit erschwertem Zugang zum Arbeitsmarkt eine sinnvolle Beschäftigung anbieten können.

Wie unsere PLANBLUE Gläser entstanden sind, sehen Sie in der Galerie!